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Kryotherapie

Kältetherapie Kryotherapie

Eine Form der physikalischen Therapie bei rheumatischen Erkrankungen stellt die Kryotherapie, auch bekannt als Kältetherapie, dar. Was genau diese Therapieform bewirkt, welche verschiedenen Therapieansätze es gibt und welche Risiken und allgemeinen Empfehlungen beachtet werden sollten, erfahrt Ihr in dieser Ausgabe unseres Rheuma-ABCs. 

Was ist eine Kryotherapie?

Bei der Kryotherapie wird der Temperaturunterschied zwischen dem Körper und seiner Umgebung oder einem kalten Objekt genutzt, um ihn im Ganzen oder nur an bestimmten Stellen abzukühlen. Hierdurch können die Durchblutung vermindert, Stoffwechsel- und Entzündungsprozesse gehemmt, das subjektive Schmerzempfinden verringert und Schmerzen gelindert werden. Durch eine Kältetherapie kann auch eine Änderung der Muskelspannung bewirkt werden, was auch wiederum zur Verringerung von Schmerzen beitragen kann. 

Lokale vs. Ganzkörper-Kryotherapie

Bei einer lokalen Kryotherapie wird nur ein begrenzter Bereich des Körpers, wie etwa ein einzelnes Gelenk, eine einzelne Extremität (z.B. linke Hand, linkes Bein) oder ganz kleinflächig ein einzelnes Hautareal, gekühlt.

Maßnahmen der lokalen Kryotherapie kommen beispielsweise bei Prellungen, Zerrungen oder Knochenbrüchen aber auch anderen lokalen Beschwerden wie etwa einem Tennisarm oder Fersensporn zum Einsatz. Darüber hinaus finden sie bei Arthrosen und entzündlich-rheumatischen Erkrankungen Anwendung, wobei Schmerzen gelindert und Entzündungsprozesse gemindert werden sollen. Ein beliebtes Hausmittel, das vor diesem Hintergrund vermutlich den meisten Rheumatikerinnen und Rheumatikern aus eigener Erfahrung bekannt sein dürfte, ist der Quarkwickel, der zur Behandlung akuter Entzündungen eingesetzt wird. Neben dem Quarkwickel können Eisgranulat und Eiswürfel in Stoffbeuteln, gestielte Eisroller, Kältekompressen, Gelpackungen, kalte Gase oder Eisteilbäder je nach rheumatischem Beschwerdebild eingesetzt werden.

Ungeachtet der genannten Maßnahmen kann, je nach Beschwerdebild, auch die Ganzkörper-Kryotherapie, also die ganzheitliche Kältebehandlung des Körpers, Beschwerden lindern. Eingesetzt wird sie unter anderem bei Bänder-, Gelenks- und Muskelverletzungen, Arthrosen, aber auch systemischen Erkrankungen wie dem Morbus Bechterew, der Fibromyalgie, der Neurodermitis oder Schuppenflechte. Darüber hinaus kann die umfassende schmerz- und entzündungshemmende Wirkung einer Ganzkörper-Kryotherapie nach Operationen im Reha-Prozess sinnvoll sein. Wie bei den Maßnahmen der lokalen Kryotherapie gibt es auch hier verschiedene Möglichkeiten der Kälteexposition (Kälte-Aussetzung), die von behandelnden Ärzten verschrieben werden können.

Zum einen können Patientinnen und Patienten zur Behandlung Kältekammern aufsuchen, die in der Regel auf -70 bis -120 °C heruntergekühlt sind. Hierbei wird Badekleidung getragen, wobei besonders kälteempfindliche Körperteile wie die Hände, die Füße, das Gesicht oder die Ohren abgedeckt werden. Der Gang in eine solche Kammer dauert maximal drei Minuten pro Sitzung und kann mehrfach täglich wiederholt werden. 

Zum anderen stehen Betroffenen, oft in Kombination mit physiotherapeutischen Behandlungen, Eistauchbäder als Option offen. Hierbei nehmen die Patientinnen und Patienten ein Vollbad in einem etwa 1 bis 12° C kalten Becken mit Eiswürfeln bestücktem Wasser. Das Bad kann hierbei mehrere Minuten durchgeführt werden, wobei anschließend eine Möglichkeit, sich zu Wärmen, zur Verfügung stehen sollte. Abhängig von der Stärke des Kältereizes, können Begleitsymptome wie ein starkes Kältegefühl oder brennende, stechende Schmerzen auftreten, wobei diese in der Regel nur kurz anhaltend sind.

Welche Risiken kann eine Kryotherapie mit sich bringen?

Je nach Art, Dauer und zugrundeliegender Erkrankung, können Maßnahmen der Kryotherapie Risiken mit sich bringen, die vorab bedacht werden sollten. So kann beispielsweise eine zu lange oder falsche Anwendung von Eisbeuteln, Eiskompressen, Eistauchbädern und anderen Anwendungen zu Erfrierungen führen. Bei bestimmten Kälteanwendungen muss darüber hinaus ein direkter Hautkontakt vermieden werden, um hier Schäden und Verletzungen zu vermeiden. So kann bei Eiskompressen oder Eisbeuteln eine Stofflage zwischen der Kompresse oder dem Beutel und der Haut Erfrierungen vorbeugen.

Darüber hinaus ist bei Betroffenen mit bestimmten Vor- und Begleiterkrankungen von der Kryotherapie dringend abzuraten. So muss etwa bei Patientinnen und Patienten mit einer sogenannten Kryoglobulinämie oder einer Kälteurtikaria, bei der die Haut infolge der Kälte juckende Quaddeln entwickelt, verzichtet werden. Auch für Menschen mit Durchblutungsstörungen wie etwa dem Raynaud-Syndrom, welches bei Rheumatikerinnen und Rheumatikern gehäuft auftritt, ist eine Kryotherapie ungeeignet. Gleiches gilt bei Sensibilitätsstörungen, die etwas infolge von Diabetes auftreten können.

Was sollte bei der Kryotherapie grundsätzlich beachtet werden?

Während und nach einer lokalen Kälteanwendung sollte der restliche Körper gut warm gehalten werden. Selbes gilt nach einer Ganzkörper-Kryotherapie. Ein guter Ansatz kann hier beispielsweise ein Nachruhen im vorgewärmten Bett sein. Generell ist vor und nach der Anwendung von Maßnahmen der Kryotherapie zu betonen, dass sich unbedingt an die Anweisungen der behandelnden Ärzte und Therapeuten gehalten werden sollte, um etwaigen Problemen vorzubeugen. 

 

Quellen: 

Heisel, J.: Physikalische Medizin, Georg Thieme Verlag, 2005

Herrmann, K. & Trinkkeller, U.: Dermatologie und Medizinische Kosmetik, Springer-Verlag, 2. Auflage, 2007

Hettenkofer, H.-J.: Rheumatologie, Georg Thieme Verlag, 5. Auflage, 2003

Hüter-Becker, A. & Dölken, M.: Physikalische Therapie, Massage, Elektrotherapie und Lymphdrainage, Georg Thieme Verlag, 2. Auflage, 2011

Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs: „Kryotherapie“, unter: www.gesundheit.gv.at (Abruf: 06.12.2021)

Papenfuss, W.: Die Kraft aus der Kälte. Ganzkörperkältetherapie bei -110 °Celsius, Edition K, 2005

Pschyrembel Online, Klinisches Wörterbuch: www.pschyrembel.de (Abruf: 06.12.2021)