Die Videosprechstunde – Ein neuer Trend in der Rheumatologie?

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Videosprechstunden in der Rheumatologie - Ein neuer Trend?

Patientin spricht mit Ärztin via Videosprechstunde

Videosprechstunden erfreuen sich, auch bedingt durch die Covid-19-Pandemie, immer größerer Beliebtheit. Doch was genau passiert hierbei eigentlich? Was sind die Vor- und Nachteile, für wen ist das Format besonders geeignet und wie steht es um den Einsatz in der Rheumatologie? Das erfährst Du in unserem Artikel, viel Spaß beim Lesen!

Was sind eigentlich Videosprechstunden?

Eine Videosprechstunde ist das virtuelle Gegenstück zum Arzttermin. Sie kann theoretisch von allen Ärzten angeboten werden, die in ihrer Arbeit keinen direkten Patientenkontakt benötigen. Aufgrund gesetzlicher Regelungen dürfen Ärzte Stand 09/2021 jedoch höchstens 20% seiner Patienten online behandeln[1]. Um  die Onlinesprechstunde wahrnehmen zu können, benötigen Patienten ein Endgerät mit Kamera, Mikrofon und Lautsprecher. Verfügbar sind in Deutschland die Angebote von Anbietern wie KRY oder Teleclinic. Darüber hinaus bieten zahlreiche Arztpraxen eigene Formate an.

Wie laufen Videosprechstunden ab?

Zugang zu Videosprechstunden erhalten Patienten über Apps für Computer, Tablets, Laptops oder Smartphones. Vor Beginn der Online-Sprechstunde klären Arzt und Patient alle datenschutzrechtlichen Fragen und unterzeichnen eine Einwilligungserklärung zur Nutzung der Patientendaten. Zur Teilnahme erhalten die Patienten anschließend einen Einwahllink oder -code vom jeweiligen Videodienstanbieter. Sobald am vereinbarten Termin der Link bzw. Code sowie Vor- und Nachname in die entsprechenden Felder eingegeben wurden, werden Patienten in einen digitalen Wartebereich weitergeleitet, von welchem aus sie aufgerufen werden können, um wie gewohnt am Arztgespräch teilzunehmen. Die hier entstehenden Kosten werden in der Regel von der gesetzlichen Krankenversicherungen getragen.

Videosprechstunden - Wo liegen die Vorteile?

Videosprechstunden können gegenüber dem herkömmlichen Arztbesuch einige Vorteile bieten. Wer den Arzttermin von zu Hause aus wahrnimmt, spart sich lange Wartezeiten in Wartezimmern sowie Reisekosten und -aufwand. Darüber hinaus  vermeiden Erkrankte durch den virtuellen Besuch in der Praxis das Risiko, sich selbst oder andere mit Viren und Bakterien zu infizieren. Zudem können kleinere Fragen an den Arzt schnell und unkompliziert beantwortet werden. Besteht Ungewissheit, ob eine ärztliche Untersuchung vor Ort tatsächlich nötig ist, lässt sich dies am Bildschirm ohne größeren Aufwand klären.

In welchen Fällen sind Videosprechstunden besonders geeignet?

Insbesondere Patienten, die aufgrund von Operationen, Erkrankungen oder Verletzungen in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt sind, können von der Technologie profitieren. So kann der behandelnde Arzt per Videoanruf beispielsweise die Wundheilung nach einer OP begutachten, Erkrankte zu Untersuchungszwecken Husten lassen oder die Beweglichkeit der Patienten kontrollieren und weitere Symptome erfragen, ohne dass Betroffene hierfür den oft mühsamen Weg in die Praxis auf sich nehmen müssen. Doch nicht nur in ihrer Mobilität eingeschränkte Personen können von der Videosprechstunde profitieren. Auch Menschen aus ländlichen Gebieten oder Eltern mit kleinen Kindern können sich mit dem Arztbesuch verbundene Aufwände erheblich erleichtern.

Videosprechstunden - Was spricht dagegen?

Bei allen genannten Vorteilen stellen Videosprechstunden und Telemedizin bei der Versorgung von Patienten keine Allheilmittel dar. So kann die Wahrnehmung des Arztes je nach Anlass der Untersuchung ohne vor Ort Kontakt mit Betroffenen durch das digitale Medium eingeschränkt werden, was im schlimmsten Fall dazu führen kann, dass einzelne Symptome Betroffener übersehen werden. Darüber hinaus sind zahlreiche Untersuchungsverfahren wie etwa das Abhören der Lungenfunktion, die Entnahme von Gewebeproben oder operative Eingriffe nicht rein digital abbildbar. Des Weiteren sollte nicht davon ausgegangen werden, dass alle Patienten über die technischen Fähigkeiten verfügen und entsprechende Endgeräte besitzen, um Videosprechstunden und andere telemedizinischen Anwendungen wahrnehmen zu können. 

Wie steht es in der Rheumatologie um die Nutzung von Videosprechstunden im Versorgungsalltag?

Nicht zuletzt als Folge der Corona Pandemie erlebt die Videosprechstunde Aufwind – auch in der Rheumatologie. Laut der  Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) sehe man, getrieben durch die Pandemie, eine massive Entwicklung im Bereich der digitalen Kommunikation[2]. So böten Stand Oktober 2020 bereits knapp ein Fünftel aller Ärzte und Ärztinnen ihren Patientinnen und Patienten neue Kommunikationsformen an [3]. Diese Tendenz bestätigte sich erst kürzlich. So zeigt eine aktuelle Praxisanalyse aus Herne, dass jeder fünfte Arzt den Einsatz von Videosprechstunden empfiehlt. Zudem zeigten sich bei einer Umfrage unter 232 Rheumapatientinnen und -atienten 56 % der Befragten generell bereit, an einer Videosprechstunde teilzunehmen. In Anbetracht des oftmals schlechten Gesundheitszustands der Betroffenen hielten die behandelnden Ärzte eine Durchführung der Videosprechstunde jedoch nur bei 33 % der Teilnehmenden für sinnvoll. „Nicht alle Menschen mit Rheuma können per Videosprechsstunde adäquat begleitet werden, so wurden vermehrt Patienten mit besonders schlechtem Gesundheitszustand durch die Ärzte ausgeschlossen. Und nicht alle sind technisch in der Lage dazu, eine VSS durchzuführen. Wenn aber die Rahmenbedingungen stimmen, kann das eine große Entlastung für den Patienten bedeuten“, so Dr. med. Martin Krusche, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Junge Rheumatologie (AGJR rheumadocs) und Oberarzt am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf [4].

Die Zukunft der Videosprechstunde in der Rheumatologie - Wo könnte die Reise hingehen?

Die Videosprechstunde könnte  in Zukunft einen zunehmend relevanten Beitrag zur rheumatologischen Versorgung in Deutschland leisten, sollte hierbei jedoch nicht als Ersatz für den tatsächlichen Arztbesuch verstanden werden. So betont die DGRh, dass Videosprechstunden nur unter bestimmten, qualitätssichernden Voraussetzungen die bisherige rheumatologische Regelversorgung ergänzen sollten. Aufgrund qualitativer Einschränkungen wie etwa dem fehlenden  körperlichen Kontakt mit Patienten sowie der eingeschränkten Vielfalt an Untersuchungsmethoden sollte die Videosprechstunde nicht als vollständiger Ersatz für eine persönliche Betreuung vor Ort betrachtet werden. Situationsspezifisch könne sie in Zukunft jedoch eine sinnvolle Ergänzung zu herkömmlichen Behandlung darstellen [5]. 

Quellen:

[1]https://www.stiftung-gesundheitswissen.de/gesundes-leben/patient-arzt/wie-funktioniert-die-videosprechstunde

[2];[5]https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7670291/

[3]KBV Statistische Informationen aus dem Bundesarztregister. https://gesundheitsdaten.kbv.de/cms/html/16393.php;

[4] https://idw-online.de/de/news774963